Was bedeutet ganzheitlich-funktionell?

 

ganzheitlich  bedeutet,

  • dass es um eine Sicht auf den Menschen, die den ganzen Menschen einbezieht - also nicht nur den Körper, nicht nur die Seele und auch nicht nur den Geist, sondern alle Bereiche, die zum "Menschsein" gehören mitsamt der Wechselwirkungen und Zusammenhänge
  • dass dieser Mensch jedoch nicht "isoliert" angeschaut wird, sondern innerhalb der "Systeme", in der er lebt
  • dass dazu nicht nur das soziale Umfeld eines Menschen, sondern auch die Umwelt, in der dieser Mensch lebt, gehört
  • dass die Therapie genauso wie sie den Menschen als Ganzes sieht auch einen ganzheitlichen Blick auf die Tiere und die Natur hat
  • dass die Therapie weder auf Kosten der Tiere noch auf Kosten der Natur durchgeführt werden darf.

 

funktionell   bedeutet,

 

  • dass die Therapieplanung und - durchführung das Ziel hat, den Ursachen der Symptome/Probleme, weswegen ein Mensch die tiergestützte Therapie aufsucht, auf den Grund zu gehen, dass z.B. nicht vorrangig an bestehenden "kreative" Verhaltensweisen oder Symptomen "herumgedoktert" wird ;-), sondern dass daran gearbeitet wird, die Ursachen für diese kreativen Verhaltensweisen herauszufinden und hier dann anzusetzen.
  • dass jeder, der diese "Methode" innerhalb der tiergestützten Therapien erlernt, hierzu ist ein umfangreiches Fachwissen benötig sowie die Schulung wichtiger "therapeutischer Skills" wie z.B. der Fähigkeit, treffsicher zu wissen, was wann beim Einzelnen Klienten/Patienten zu tun ist - und in welcher Weise und Intensität - und aber genauso zu wissen, was wann besser nicht getan werden sollte. Und aus welchem Grund das besser unterlassen werden sollte.

 

 

tiergestützt  bedeutet,

 

  • dass die Tiere die Therapie durch "eigene Ideen" mitgestalten dürfen und sollen - der/die Therapeut/in sorgt für die Sicherheit und er sorgt ebenso dafür, dass die gesteckten Therapieziele - aufbauend gerade auch auf den Impulsen, die die Tiere geben - erreicht werden
  • dass die Tiere ein möglichst artgemäßes Leben leben können
  • dass die arteigenen Grundbedürfnisse der Tiere nicht nur "außerhalb" des Therapieeinsatzes erfüllt werden, sondern ausdrücklich auch im therapeutischen Setting
  • dass der therapeutische Nutzen, den wir Menschen aus dem Einsatz der Tiere ziehen, keinesfalls auf Kosten der Tiere gehen darf (siehe oben)

 

 

Ist nicht jede Reittherapie durch den Pferdeeinsatz bereits eine ganzheitliche Therapie?

Nun, das kann man so nicht sagen, denn zum einen

basieren viele Ausbildungen bzw. Weiterbildungskonzepte für Reittherapie auf der schulmedizinischen Sichtweise von "Gesundheit" - und behaupten von sich dennoch, "ganzheitlich" zu sein. Wenn man genauer hinschaut, bleiben hier einfach viele Bereiche "auf der Strecke"...

Die Stärken der Schulmedizin liegen meines Erachtens ganz klar in der Notfallmedizin und in der Chirurgie und ich bin sehr froh über die Möglichkeiten, die hierdurch z.B. bei Unfällen möglich sind. Jedoch ist es offensichtlich, dass hinsichtlich der Behandlung von z.B. chronischen Erkrankungen die Schulmedizin leider keine Lösungen anbieten kann, die tatsächlich helfen. Denn die Patienten werden leider in den seltensten Fällen gesund. Eine Linderung der Beschwerden oder Symptome kann maximal erreicht werden - doch dafür zahlt man meist einen hohen Preis in Form von Nebenwirkungen, da diese Linderung fast ausschließlich durch Medikamente herebeigeführt wird...

Ganz abgesehen von dem Schaden, den Medikamente anrichten, die nicht die tatsächliche Ursache von Beschwerden ansprechen sondern eben an den Symptomen ansetzen...

Das ist in etwa so, wie wenn bei Ihrem Auto die Öl-Warnleuchte aufleuchtet und Sie anstatt Öl nachzufüllen diese Lampe mit einem schwarzen Klebestreifen überkleben und dann nicht mehr sehen... Das funktioniert eine Weile und dann ist der Folgeschaden um ein vielfaches größer als ihnen höchstwahrscheinlich lieb ist...

 

Auch ist die Linderung der Beschwerden beim Menschen meist zeitlich begrenzt, in der Regel muss die Dosis der Medikamente im Laufe der Zeit erhöht oder auf stärkere Wirkstoffe angepasst werden...


Ein Knackpunkt in diesem Zusammenhang liegt in der Überzeugung, dass die "Medizin" heilen könnte, nicht der Körper. Zumindest sind dieser Auffassung viele Schulmediziner.

Doch die Medizin kann lediglich unterstützen - ein einfaches Beispiel: jemand bricht sich kompliziert den Oberschenkel - dann ist es ein wahrer Segen, was in so einem Falle ein guter Chirurg leisten kann. Beachtlich, was hier mit Platten, Schrauben, Fixateur externe etc. möglich ist. Wow.

Doch: wenn diese Arbeit getan ist, liegt es am Körper selbst, dass die einzelnen Knochenfragmente wieder zusammenwachsen. Das kann kein Chirurg und auch kein anderer Arzt bewirken oder verursachen. Dafür, dass der "gebrochene" Knochen wieder zusammenwächst gibt es weder Medikamente noch sonst irgendetwas...  Unterstützende Maßnahmen ja, die gibt es, aber "verursachende" - nein. Definitiv nicht.

Das weiß jeder Mediziner, doch was dies tatsächlich im Umkehrschluß bedeutet, ist leider den wenigsten klar... Und weshalb es bei manchen Menschen zu Heilungsverzögerung kommt, bei manchen Menschen sogar die "Knochenheilung" ausbleibt, davor stehen die Mediziner wie vor einem unlösbaren Rätsel...

 

Wenn nun kompliziertere Sachverhalte vorliegen wie z.B. eine Stoffwechselerkrankung, dann gleichen die "medizinischen Maßnahmen" denen derjenigen, die die Öllampen mit schwarzem Klebeband überkleben. Medikamente übertünchen die Symptome, führen oft zu einer scheinbaren Verbesserung, die aber gefährlich ist - denn scheinbar wird es besser, tatsächlich jedoch bestehen die Ursachen weiterhin und der jeweilige Patient gleicht einer tickenden Zeitbombe.

Die Erkrankung, die sich jetzt nämlich meist unbemerkt breit machen kann (weil die "Warnsysteme" medikamentös "verstummen"), ist leider meist um ein vielfaches schlimmer als das ursprüngliche Problem...

Doch durch die Medikamente werden auch ihre Symptome nieder gehalten sodass viele Patienten glauben, siei befänden sich auf dem Wege der Besserung... - bis dann die Bombe platzt und der Mensch scheinbar "plötzlich" richtig heftig erkrankt.

 

Wir haben eine sehr moderne Medizin mit fortschrittlichster apparativer Diagnostik  - und immer mehr (chronisch) Kranke.

 

Meiner Meinung nach liegt das u.a. daran, dass die Grundüberzeugungen darüber, wie "menschliche Gesundheit" funktioniert, nicht zur menschlichen Gesundheit passen und daher die falschen Schlüsse gezogen werden. Mit der Konsequenz, dass die Behandlung der Symptome nur an der Oberfläche kratzt und leider nicht zur Ursache vordringt.

Weshalb dieser Exkurs?

 

Weil dadurch aufgezeigt werden kann, dass die Sichtweise auf die menschliche Gesundheit grundlegend wichtig ist für eine ursächliche (funktionelle) und ganzheitliche Therapie.

 

Wenn nun eine reittherapeutische Methode auf der Sichtweise der Schulmedizin basiert, dann sind die Schlüsse die daraus für die Therapie gezogen werden mit den Therapiemethoden der Schulmedizin vergleichbar - und schrammen leider an einer ursächlichen Therapie vorbei.

 

Viele Reittherapeuten arbeiten zwar ausgehend von den Stärken und "resourcenorientiert", und ganz bewusst wird die Wirkung der Pferde auf Körper und "Psyche" genutzt und "eingesetzt". Doch da auch hier die Frage nach der Verursachung einer Erkrankung oder einer "Verhaltensauffälligkeit" nicht gestellt wird, kann auch hier keine Antwort gefunden werden. Und daher bleiben Therapieerfolge, die tatsächlich die Ursache der "Störung" beseitigen, meist Zufallstreffer und ein kausaler Zusammenhang kann schlicht nicht hergestellt werden.

 

Zum anderen sind vermehrt Bemühungen um eine "Standardisierung" der Reittherapie zu beobachten. Dies würde jedoch automatisch einen massiven Einschnitt in die Individualität, also in den jeweils auf den einzelnen Klienten zugeschnittenen Behandlungsplan, mit sich bringen.


Im Gesundheitssystem ist bereits seit langem zu beobachten, dass diejenigen Ärzte/Therapeuten, die ursächlich arbeiten wollen (wie zum beispiel diejenigen, die sich der "funktionellen Medizin" zuwenden) und den Menschen, die hilfesuchend zu ihnen kommen, bestmöglich helfen wollen, auf z.B. eine "Kassenzulassung" oder ähnliches ganz bewusst verzichten.

Denn genau dieses das System der Krankenkassen trägt entscheidend dazu bei, dass Ärzte, die gerne nach den tatsächlichen Ursachen einer Erkrankung suchen möchten, dazu weder Zeit noch Mittel haben. Ihre Hände sind sprichwörtlich gebunden. Was für ein Drama...


Es stellt sich nun die Frage, weshalb logisch denkende Menschen nun gerade solch eine chancenreiche Therapie wie die der Reittherapie in irgendwelche "Standards" des deutschen Gesundheitssystems pressen wollen...

 

Zwischen solch einer "gewöhnlichen Reittherapie" und der ganzheitlich-funktionellen Reittherapie Welten.

Denn die ganzheitlich-funktionelle Reittherapie hat das Ziel, den Ursachen auf den Grund zu gehen und durch die Therapie selbst den gesamten Menschen - also Körper, Geist und Seele - anzusprechen.

 

Denn nur dann ist dauerhafte positive Veränderung möglich. Dazu gehört eine Menge an Wissen bzw. vielmehr ein Verstehen der Vorgänge, der Wechselwirkungen und Zusammenhänge im Körper, in der Seele und im Geist. Und dies gaz ohne Esoterik oder "Religiösität".

Alleine dieses Wissen und das Kennen der Wechselwirkungen zwischen diesen dreien lässt einem - bei entsprechend ausgebildeten therapeutischen "Skills" - viele Zusammenhänge der Erkrankung oder Problemstellung des jeweiligen Klienten wie Schuppen von den Augen fallen.


Dazu ist es z.B. wichtig, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und "Verhalten" im weitesten Sinne zu kennen, Sie sollten wissen, was Ihre Mahlzeiten mit z.B. AD(H)S-Symptomen zu tun haben (bzw. den Symptomen Ihres Kindes), was Depressionen mit dem "Bauch" zu tun haben, etc. etc.

 

Bei der ganzheitlich-funktionellen Reittherapie werden also alle 3 Bereiche eines Menschen betrachtet - Körper (und hier nicht nur lediglich der "Bewegungsapparat" oder die "Motorik"...), Seele und den Geist.

 

Es wird enorm viel Wissen hierzu vermittelt und auch dazu, was diese drei aus dem Gleichgewicht bzw. wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Daraus entsteht dann z.B. eine ganz besondere Form der Eltern-/Gesprächsarbeit, der Therapieplanung und natürlich auch der "Stundengestaltung".

 

Auch bei den Themen Pferdehaltung und Pferdetraining geht es darum, ganzheitlich zu sehen und zu denken. Die Qualität einer Reittherapieeinheit hängt z.B. sehr stark davon ab, wie gut es dem Pferd, das eingesetzt wird, geht. Psychisch und physisch. Ebenso stark hängt sie auch davon ab, wie gut die Reittherapeutin ihr Pferd kennt/lesen kann. Denn wenn Sie die Anzeichen hierfür nicht kennen, wie wollen Sie dann beurteilen können, wie es Ihrem Pferd geht? Und dass diese Anzeichen leider noch weitgehend unbekannt unter den praktizierenden Reittherapeuten sind zeigen die zahlreichen Bilder, die auf ihren Homepages zu sehen sind. Zum Leidwesen der Pferde. Was für ein unnötiges Leiden...

 

Zum anderen

wird der Einsatz der Tiere oft so verstanden, dass sich die Tiere an uns und unsere Bedürfnisse anzupassen haben, dass die Tiere lernen müssen, alles nur erdenkliche "über sich ergehen lassen zu müssen", damit wir Menschen "unser Ding" durchziehen können.

 

Doch das eben beschriebene verstehen wir ganz ausdrücklich nicht unter einer ganzheitlichen Therapie und das kann nicht im Sinne einer Therapie, die den Tierschutzgedanken zur Grundlage hat, sein.

 

Dass wir uns hierdurch automatisch von vielen anderen "Formen der tiergestützten Therapien" unterscheiden ist zwar einerseits traurig, denn das sollte eignetlich ganz selbstverständlich überall so sein. Andererseits möchten wir es aber ganz bewusst betonen, hervorheben und deutlich ansprechen, dass dies bei uns anders ist - denn die Tiere sollen ihre arteigenen Verhaltensweisen (soweit das der Sicherheitsgedanke für Mensch und Tier zulässt) beibehalten dürfen.

Vielmehr - auf diesen ganz arteigenen Verhaltensweisen baut unsere Art der tiergestützten Therapie auf.

Nur so kann ein "Therapietier" selbst von den Einheiten profitieren, das ist unsere Überzeugung.